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Ein Baby und fünf Mama-Influencer

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Eigentlich ist es eine alltägliche Szene: Das Baby „Nino" schreit und die Erwachsenen im Umfeld versuchen, das Kind zu beruhigen. Dieser Versuch misslingt und aus dem harmlosen Babyweinen wird eine Auseinandersetzung der Anwesenden um Erziehungsmethoden, Rollenbilder und frauliches Selbstverständnis. Das Ganze als Inhalt der Komödie „Nino" von Rebecca Deraspe.

Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung war am Samstag im Theater Phönix in Linz. Es ist der erste Geburtstag des lieben Nino, der bereits in seinem Bettchen liegt, während Mutter Sandrine, Vater Jules sowie dessen Schwester Charlotte und ihr Freund Eric und Marion, eine Freundin Sandrines, fröhlich Happy Birthday feiern und das Ereignis mit entsprechend Wein begießen. Nicht vorgesehen ist, dass das Baby plötzlich zu schreien beginnt. Die Mutter beruhigt den Kleinen, was aber nicht von Dauer ist. Immer wieder beginnt er zu schreien.

Jede/r weiß es besser

Und nun kommt in Gang, was in einer solchen Situation oft geschieht: Jede und jeder der Anwesenden weiß, was zu tun ist, hat einen guten Ratschlag. Und vor allem: Jeder weiß es besser als der andere. Plötzlich prallen divergierende Vorstellungen aufeinander, etwa was die Rolle einer Mutter betrifft, ob auch der Vater für ein weinendes Baby zuständig ist, ob es heutzutage noch zu verantworten ist, Kinder in die Welt zu setzen usw. Phönix-Chefin Silke Dörner: „Unerwartet werden gesellschaftliche Rollenbilder auf den Prüfstand gestellt, es brechen Konflikte auf, unliebsame Wahrheiten werden enthüllt."

Das Baby schreit immer weiter

Auch zwischen den Generationen ist der 51-jährige Eric nicht nur deutlich älter als seine Freundin Charlotte, sondern auch als alle anderen in der Gruppe. Wie auch immer diskutiert und gestritten wird, das Baby schreit weiter. Was übrigens für die Inszenierung eine Herausforderung war, „man kann ja nicht ein ganzes Stück hindurch Babyweinen im Hintergrund hören lassen, wir haben das mit einer Art Background-Jazz gelöst", sagt Alex Konrad, zuständig für das Sounddesign.

Für die Phönix-Mannschaft ist das Stück jedenfalls „eine bitterböse Komödie über Rollenklischees, Care-Arbeit, elterliche Ideale und gescheiterte Kommunikation".

Social-Media-Einflüsse

Dass das Thema derzeit aktuell ist, zeigt sich, so Theaterchefin Dörner, auch in der Zunahme sogenannter „Mama-Influencer" im Internet. Darunter versteht man „Frauen, die auf Social Media Ihre Erfahrungen rund um Mutterschaft, Kindererziehung, Familienleben und Lifestyle weitergeben". Auf der Phönix-Bühne sind drei Frauen und zwei Männer die realen Influencer in einschlägigen Fragen.

Rebecca Deraspe, geboren 1983 in Kanada, schloss 2010 ihr Studium Szenisches Schreiben in Montreal ab und hat seither eine Reihe von gesellschaftskritischen Stücken geschrieben, mit denen sie auch international bekannt wurde und für die sie diverse Preise erhalten hat. Die Uraufführung von „Nino" fand 2016 in Genf statt. Parallel zu ihrer Theaterarbeit schreibt Deraspe auch Fernsehserien und Drehbücher.

Regie in der Linzer Inszenierung führte Fanny Brunner, Dramaturgie Sigrid Blauensteiner.

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