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Tag 4 von Privataktion zur Rettung von Wal "Timmy": Wind nimmt zu, "Plan B" könnte eintreten

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Die Rettungsaktion für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal geht möglicherweise in ihre entscheidende Phase. „Wir sind auf einem sehr guten Weg und liegen im Zeitplan", sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative. Der Wal habe am Morgen „tolle Reaktionen" und viel Lebensenergie gezeigt. Es werde auch nicht ausgeschlossen, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft freischwimme. In diesem Fall greife „Plan B". 

Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können." Der Wasserstand könne in den kommenden Stunden um 50 bis 60 Zentimeter steigen. Der Wal hatte sich in der Vergangenheit schon mal aus eigenen Kraft freischwimmen können, sich dann aber wieder festgesetzt. Die Anwältin ist Teil der privat finanzierten Rettungsaktion von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. 

Verfolgen Sie hier den Rettungsversuch live:

Die Aktion wird vom Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet und eng mit Behördenvertretern abgestimmt. Auf Livestreams im Internet war am Sonntagnachmittag zu sehen, wie mit Hilfe eines Baggers auf der schwimmenden Plattform offenbar weiter Sand unter dem Tier abgepumpt wurde. NDR-Reporter berichteten, zwei Taucher hätten vor dem Wal Plane und Netz ausgerichtet, die Teil der Transportkonstruktion sind.

Rettungsteam soll in Ruhe arbeiten

Der beauftragte Tauchunternehmer Fred Babbel hatte bereits am Freitag angekündigt, dass Pumpen zu Wasser gelassen werden, um damit zu beginnen, zu spülen. Dies sollte demnach zunächst in etwas weiterer Entfernung erfolgen. Damit sollte laut Babbel die Reaktion des Tieres getestet werden. "Wenn das alles gut läuft, werden wir uns dann dichter nähern."

Aufwendige Abstimmungen mit Behörden

Walter-Mommert sagte der dpa: "Glauben Sie mir, wir müssen unserem Team im Moment den Rücken freihalten, damit die in Ruhe arbeiten können." Sie verwies auf nach ihrer Aussage aufwendige Abstimmungen mit den zuständigen Behörden. Das sorge intern für viel Arbeit. So müsse etwa das Aufbringen von Tüchern mit Zinksalbe gegen die Hautprobleme des Wals jeden Tag neu beantragt und genehmigt werden.

Nach Aussage einer Sprecherin des Schweriner Umweltministeriums bemühen sich die Behörden um schnelle Abstimmungen. So habe etwa die von der Initiative aus Hawaii hinzugezogene Tierärztin Jenna Wallace zwar keine Berufserlaubnis in Deutschland. Dieses Problem habe man aber schnell gelöst. Sie habe eine vorübergehende Erlaubnis zur Ausübung des tierärztlichen Berufes erhalten. Dabei handle es sich um eine Sonderregelung für Tierärzte aus dem Ausland.

"Wir wären gerne noch schneller"

Die private Rettungsinitiative für den vor der Ostseeinsel Poel festliegenden Buckelwal soll am Sonntag fortgesetzt werden. Am Samstag waren Helfer den gesamten Tag wieder in der Nähe des Wals und eine schwimmende Arbeitsplattform war näher an den Meeressäuger gebracht worden. Ein Transport ins offene Meer war nach Angaben der an dem Rettungsversuch beteiligten Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert jedoch auch am dritten Tag der Aktion nicht möglich.

Seit Donnerstag laufen die Arbeiten der privaten Initiative, die das Tier lebend zurück in die Nordsee bringen möchte. Ursprünglich war für den Fall eines erfolgreichen Verlaufs des Rettungsplans für Freitag der Start des Transports geplant gewesen.

Wie genau der intern bekannte Zeitplan nun aussieht, wollten die Mitglieder der Initiative am Samstag nicht preisgeben. Hintergrund sei, dass das Team von außen nicht unter Druck stehen wolle. "Wir sind jetzt gut dabei", sagte Bahr-van Gemmert. Sie gestand aber auch ein: "Wir wären gerne noch schneller."

Der geschwächte Wal liegt am Sonntag bereits den 20. Tag an derselben Position vor der deutschen Küste in der Kirchsee in der Wismarer Bucht.

Initiative: Wir machen das Beste für den Wal

Die Situation sei schwierig, sagte die Veterinärin, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet. Die an der Rettung beteiligten Helfer seien aber überzeugt: "Wir machen das Beste für den Wal." Zu sehen, wie der Wal versuche, sich aus seiner Lage "rauszukämpfen", sei für sie kein Tierschutz. "Und ihn in Ruhe sterben lassen ist es auch nicht, weil es keine Ruhe ist", beschreibt sie das Wal-Dilemma.

Kritik von Wissenschaftern und anderen Fachleuten an der Aktion wies sie zurück: "Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen." Sie betonte erneut, dass der Wal eine "reelle Chance" habe. Diesbezüglich würden ihr Expertinnen und Experten, die aktuell vor Ort waren, zustimmen.

Etliche Fachleute: Heimreise des Wals unmöglich

Wissenschafter, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen dagegen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. 

Ein Sprecher der Umweltorganisation Greenpeace sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Gesundheitszustand des Wals lasse sich an der Intensität der Ausatmung erkennen. "Wenn er strandet, wird die Atmung flacher und eher ein Seufzen, und es ist nicht mehr dieses kräftige Ausblasen." Diese flachere Atmung sei beim Buckelwal immer öfter zu beobachten.

"Kranke Wale haben ein anderes Atemmuster, die Abstände zwischen den Atemzügen sind nicht entscheidend, sondern die Art des Atmens", sagte der Meeresbiologe weiter. Diese Walart atme demnach in der Regel zwei relativ kurze, schnelle Atemzüge in Abständen von 20 bis 30 Sekunden, dann folgten zwei bis zu fünf Minuten Pause. Dann sei der Körper mit Sauerstoff geflutet.

Greenpeace: Wal krank und stark geschwächt

Die Umweltschutzorganisation sieht wenig Chancen für eine Rettung des Buckelwals durch die private Initiative. "Was passiert im besten Fall, wenn er befreit wird: Das Tier ertrinkt in der Nordsee", sagte der Umweltschützer. Angesichts des "Hypes" mit dem durch die Aktion erzeugten Motorenlärm, den Booten und Tauchern müsse man sich die Frage stellen, ob das Prozedere dem Tierwohl noch zuträglich sei.

An der aktuell laufenden Rettungsaktion beteiligt sich die Organisation nach eigenen Angaben nicht, denn nach den vorliegenden Informationen sei der Wal krank und stark geschwächt, teilte sie mit.

Zeitplan und was ist Samstag passiert

Bis zum Samstagabend hatten die Beteiligten die Befreiung des Wals weiter vorbereitet. Im Gegensatz zu Freitag, als der Buckelwal nach der Annäherung eines Tauchers plötzlich mit starken Bewegungen reagiert hatte, blieb das Tier am Samstag weitgehend regungslos. Gelegentlich buckelte der Wal leicht. Zudem stieß er in regelmäßigen Abständen Wasserfontänen aus.

Helfer legten am Samstagmorgen erneut Tücher auf den Rücken des Wals und beobachteten das Tier. Am Nachmittag wurde eine Art großer Schlauch ins Wasser gelassen. Nach früheren Angaben soll im Bereich des Wals der Untergrund weggespült werden, um das Tier dann mit Luftkissen anzuheben.

Pontons und Plane sollen den Wal tragen

Geplant ist nach früheren Angaben der privaten Rettungsinitiative, dass unter den Wal eine zwischen Pontons - also schwimmenden Plattformen - befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch.

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