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Die Straße von Hormus war endlich offen, jetzt ist sie wieder zu. Wie könnte es weiter gehen? Die USA entern iranische Schiffe und der Iran feuert wieder auf die arabischen Golfstaaten; Eskalation und explodierende Ölpreise - oder doch Verlängerung des Waffenstillstandes? Niemand kann derzeit sagen, wie der Nahen Osten in den kommenden Tagen aussehen wird - ob sich das schlimmste oder halbwegs optimistische Szenario bewahrheiten wird. Tatsache ist: Sowohl vonseiten der USA als auch - zumindest von Teilen - der iranischen Seite gibt es den Wunsch, einen Ausweg aus dem Krieg zu suchen. Hinter den Kulissen werden Angebote ausgetauscht, was noch lange keine direkten Gespräche sind. Doch wenigstens werden auf geheimen diplomatischen Kanälen vorsichtig Schritte getestet, die irgendwann zu gemeinsamen Konzessionen führen könnten. Das größte Problem dabei: Wo ein Wille ist, muss noch lange kein Weg sein. Denn nach wie vor glauben sowohl Donald Trump als auch der Großteil der iranischen Führung, dass sie im Krieg den längeren Atem haben, solange sie den Druck auf den Feind hochhalten. Dabei läuft beiden Seiten die Zeit davon: Den USA, weil Zwischenwahlen bevorstehen und die Republikaner schon jetzt fürchten, für Trumps Krieg und in dessen Folge für Inflation und ungewöhnlich hohe Spritpreise eine bittere Rechnung serviert zu bekommen. Der Iran wiederum, wo die ökonomische Not schon im Jänner Hunderttausende Menschen auf die Straße getrieben hatte - und bis zu 30.000 von ihnen getötet wurden - , hat kaum noch Luft, ehe seine Wirtschaft endgültig zusammenbricht. Das aber scheinen nur einige politische Führungsfiguren in Teheran zu sehen, während die Revolutionsgarden keinen Millimeter zurückweichen wollen. Der Riss im Machtgefüge im Iran ist also schon erkennbar zwischen jenen, die das Land mit erheblichen, aber noch mühsam zu erringenden Zugeständnissen an die USA aus dem Krieg führen wollen. Und jenen, die den Gottesstaat mit der blinden Wut von religiösem Fanatismus eher der Vernichtung preisgeben als einlenken wollen. Für die kommenden Wochen und Monate wird es von entscheidender Bedeutung sein, welcher der verschiedenen Flügel sich in Teheran durchsetzt: der pragmatischere oder jener der verbrannten Erde. Auf alle Fälle muss sich der Iran, der Nahe Osten und die Welt darauf einstellen, dass der Frieden so bald nicht ausbrechen wird. Mit viel Glück wird der Ausstieg aus dem Krieg nach dem Motto „zwei Schritte vor, einer zurück" verlaufen. Die Geschichte beweist, dass dies manchmal sehr lange dauern kann. Im 30-jährigen Krieg begannen die ersten Friedensgespräche zehn Jahre, bevor endgültig der letzte Schuss fiel.