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Schabernack oder die spannende Geschichte eines Wortes

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Aber Achtung: Schabernack ist nicht harmlos. Ein Blick auf die Geschichte eines ziemlich brutalen Wortes.

Manfred Papst12.07.2026, 05.31 Uhr

Getty

Natürlich sollte ich bei dieser Hitze eine Kopfbedeckung tragen. Aber welche? Mit meinen Dächlikappen ist es so eine Sache. Sie werben für Produkte, von deren Umsatzzahlen ich nicht profitiere, oder sie ordnen mich Gruppen zu, mit denen ich mich nicht gemeinmachen will. Bleibt mein Strohhut. Aber der kratzt mich entweder an der Stirn oder im Nacken. Er will mich sichtlich ärgern: Er treibt Schabernack mit mir!

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Vom Schaben im Nacken könnte der Ausdruck tatsächlich stammen. Das meinten zumindest die Brüder Grimm im Band 14 ihres Deutschen Wörterbuchs. Mit dem waren sie bereits beim S angelangt, und sie hätten sich gewiss nicht träumen lassen, dass die verbliebenen sieben Buchstaben noch weitere 19 Bände füllen würden.

Den «Schabernack» kennen die Brüder Grimm in vielerlei Gestalt: zunächst als seit dem frühen 13. Jahrhundert urkundlich belegten Flurnamen, vor allem für Weinberge. Sodann ist ihnen das Wort beim mittelalterlichen Dichter Neidhart als rauer Winterhut begegnet. In der heutigen Bedeutung gehe es jedoch, schreiben sie, möglicherweise auf eine Körperstrafe zurück: Das Abscheren des Haupthaares war einst eine mit Schimpf und Schande verbundene Strafe, erst später milderte sich der Begriff in Richtung «Neckerei» ab.

Eine bloss harmlose Posse bezeichnet der Schabernack aber in den Märchen der Brüder Grimm selbst keineswegs. In der Geschichte «Das Lumpengesindel» spielen Hähnchen und Hühnchen einem Herbergswirt übel mit: Das gefiederte Gaunerpärchen tafelt aufs Üppigste, bevor es sich schlafen legt, und macht sich am anderen Morgen aus dem Staub, ohne die Zeche zu bezahlen. Stattdessen versteckt es eine Stecknadel im Handtuch des Wirts und eine Nähnadel in seinem Sitzkissen; die Eierschalen - Überreste des Morgenmahls, das eigentlich dem Wirt versprochen war - landen im Feuerherd. Als der Wirt sich nach dem Aufstehen das frisch gewaschene Gesicht abtrocknen will, macht ihm die Stecknadel einen roten Strich von einem Ohr zum andern; als er sich am Herd die Pfeife ansteckt, springen ihm die Eierschalen aus der Glut in die Augen, und als er sich auf seinen Grossvaterstuhl setzt, sticht ihn die Nähnadel ins Gesäss. (Anagrammatiker kann das gar nicht verwundern; sie wissen, dass im «Schabernack» die «Arschbacken» stecken.)

Der geprellte Wirt schwört sich, Lumpengesindel, das solchen Schabernack treibt, inskünftig nicht mehr zu beherbergen. Weitere Sanktionen erfolgen nicht, und ich denke mir: Hähnchen und Hühnchen haben dem Mann, der ihnen nichts getan hat, doch wirklich einen bösen Streich gespielt. Da kann ich mit meinem Strohhut, der mich bloss ein bisschen im Nacken kratzt, eigentlich ganz zufrieden sein!

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