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Mehrere Tote bei Schiesserei in Kiew

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Ein Mann schiesst auf offener Strasse wahllos auf Passanten, nachdem er seine eigene Wohnung angezündet hat. Die Verbindungen des Täters nach Russland erregen mediale Aufmerksamkeit. Vieles ist aber unklar.

19.04.2026, 13.34 UhrAktualisiert

Die Polizei hat den Supermarkt in Kiew abgesperrt.

Valentyn Ogirenko / Reuters

Dass Waffengewalt zivile Opfer verursacht, ist Teil des traurigen Kriegsalltags in der Ukraine. Schiessereien fernab der Front, ohne sichtlichen Bezug zum Krieg, ereignen sich aber nur selten. Ein solcher Vorfall wirft nun viele Fragen auf.

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Täter zündet eigene Wohnung an

Ein Mann hat am Samstagnachmittag im Süden von Kiew anscheinend wahllos um sich geschossen und dabei sechs Personen getötet und vierzehn weitere verletzt. Danach soll er sich in einen nahe gelegenen Supermarkt der Discounter-Kette «Welmart» verschanzt und dort mehrere Personen als Geiseln genommen haben. Ein Verhandlungsversuch der Polizei scheiterte. Als der Geiselnehmer eine weitere Person erschoss, stürmte eine Spezialeinheit den Laden und tötete dabei den Mann.

Daraufhin wurden die Verletzten, unter denen sich auch ein zwölfjähriger Bub befand, zur Behandlung ins Spital gebracht. Eine angeschossene Frau erlag dort ihren Verletzungen. Später wurde bekannt, dass der Täter vor der Schiesserei seine Wohnung in der Nähe des Tatorts in Brand gesetzt hatte. Durch das Feuer erlitt ein Kleinkind in der Nachbarwohnung eine Rauchvergiftung.

«Schreckliche Tragödie»

Über die Hintergründe der Tat liegen bis jetzt keine gesicherten Informationen vor. Die Staatsanwaltschaft eröffnete eine Untersuchung wegen einer «terroristischen Tat mit Todesfolge». Mit konkreten Schuldzuweisungen halten sich die Behörden aber zurück.

Investigators from the National Police and the Security Service of Ukraine are now examining all the circumstances of the attack in Kyiv against ordinary civilians.

The attacker was eliminated. He took hostages and, tragically, killed one of them. He shot dead four more people… pic.twitter.com/qIpvjzJ04V

— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) April 18, 2026

Die Regierungschefin Julia Swiridenko schrieb auf Telegram von einer «schrecklichen Tragödie». Präsident Wolodimir Selenski erklärte in seiner abendlichen Videoansprache, dass die Ermittler unterschiedliche Versionen prüften. An den Ermittlungen ist auch der Inlandgeheimdienst beteiligt. Alle Erkenntnisse würden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, versprach Selenski.

Verbindung nach Russland?

Offiziell mitgeteilt wurde bisher, dass es sich beim Täter um einen vorbestraften 58-jährigen ukrainischen Staatsbürger handelt, der in Moskau geboren wurde und später lange Zeit im Donbass gelebt haben soll.

Einige Medien sowie Beiträge in den sozialen Netzwerken erwähnen weitere Verbindungen nach Russland. Demnach soll sich der Mann, Dmitro Wasilenkow, auch später noch längere Zeit in Russland aufgehalten und Konten bei russischen Banken besessen haben. Gleichzeitig war Wasilenkow bis 2004 in der heute von Russland besetzten Stadt Bachmut in der Region Donezk für die ukrainischen Streitkräfte tätig und erhielt dafür auch eine Pension. In den letzten Jahren lebte er in Kiew.

Willkürliche Opfer

Es ist bekannt, dass die russischen Dienste ukrainische Bürger für Sabotageakte oder Anschläge im In- und Ausland rekrutieren. Bei den medialen Spekulationen über eine Verbindung des Täters nach Russland schwingt das mit.

Ausserdem ist Moskau in der Ukraine immer ein naheliegender Verdächtiger, besonders wenn die Opfer prominent als Gegner der russischen Politik in Erscheinung getreten sind. Dies war etwa bei den Mordanschlägen gegen den nationalistischen Politiker Andri Parubi oder den Geheimdienstoberst Iwan Woronitsch der Fall.

Die Schiesserei vom Samstagnachmittag, die mit ihren willkürlichen Opfern eher an eine Amok-Tat erinnert, scheint jedoch anders gelagert zu sein. Laut Medienberichten war der Täter bereits früher durch Gewaltbereitschaft aufgefallen. So soll er vor drei Jahren in einem Supermarkt eine Schlägerei vom Zaun gebrochen haben, woraufhin ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Seine Vorstrafe rührt daher.

Schiesserei an Schule in Transkarpatien

Bereits am Donnerstag hatte es in der Ukraine einen Schusswaffenvorfall mit ungeklärtem Hintergrund gegeben, der allerdings glimpflicher ausging. In der Provinz Transkarpatien im äussersten Südwesten des Landes zog ein 15-jähriger Schüler im Unterricht eine Pistole und bedrohte damit seine Mitschüler.

Dann gab er mehrere Schüsse ab, wodurch ein Schüler an der Schulter leicht verletzt wurde. Die Waffe stellte sich als Gummigeschosspistole heraus. Laut Medienberichten deuten die ersten Ermittlungsergebnisse darauf hin, dass der Jugendliche online von Unbekannten kontaktiert und unter Druck gesetzt worden war.

Die Vorfälle werfen auch ein Schlaglicht auf das Waffenrecht in der Ukraine. Wie der Jugendliche in den Besitz einer Pistole kam, ist Gegenstand von Ermittlungen. Der Täter in Kiew verfügte über einen Waffenschein und hatte sein Gewehr Ende letzten Jahres legal erworben.

Russland setzt Luftangriffe fort

Die Bluttat vom Samstag ruft Schrecken und Entsetzen hervor. Die vom russischen Luftkrieg ausgehende Gefahr überlagert sie aber nicht. Am Sonntagmorgen veröffentlichte Präsident Selenski einen Überblick über die Angriffe der letzten Woche.

The continued easing of sanctions against Russia does not reflect the real situation in the war or in diplomacy and fuels the Russian leadership's illusion that they can continue the war. This week alone, the Russians have launched over 2,360 attack drones, more than 1,320 guided… pic.twitter.com/XmVz4e07Aq

— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) April 19, 2026

Seit der nur kurzen und ohnehin sehr brüchigen Waffenruhe am orthodoxen Osterwochenende hat Russland 2360 Drohnen, 1320 Marschflugkörper und 60 Raketen auf ukrainische Städte abgefeuert. Allein in der Nacht auf Mittwoch wurden beim bisher grössten Angriff dieses Jahres 17 Personen getötet.

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