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Trump kündigt neue Verhandlungen mit Iran an - wie geht es jetzt weiter?

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Der amerikanische Präsident nennt den iranischen Beschuss auf Schiffe in der Strasse von Hormuz einen «vollständigen Bruch der Waffenruhe», will aber trotzdem mit Teheran verhandeln. Falls kein Durchbruch erzielt wird, sollen wieder Bomben fallen.

Donald Trump droht Iran mit massiven Bombardements, will aber gleichzeitig eine Übereinkunft mit Teheran.

Samuel Corum / Getty

Ein amerikanisches Verhandlungsteam wird am Montagabend für weitere Gespräche mit Iran in Pakistan eintreffen. Das kündigte Donald Trump am Sonntag auf seinem Netzwerk Truth Social an. Laut Medienberichten soll die zweite Verhandlungsrunde in Islamabad am Dienstag beginnen.

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Den iranischen Beschuss auf zwei Schiffe in der Strasse von Hormuz bezeichnete der amerikanische Präsident zwar als einen «vollständigen Bruch der Waffenruhe». Dennoch bietet Trump Iran laut eigener Aussage ein «faires und vernünftiges Abkommen» an. Sollte Teheran ablehnen, würden die USA «jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke in Iran zerstören».

Iran beschiesst Schiffe in der Strasse von Hormuz

Trumps Ankündigung kam zu einem Zeitpunkt, als die Schifffahrt in der Strasse von Hormuz nahezu vollständig zum Erliegen gekommen war. Am Samstag beschossen iranische Streitkräfte einen Tanker und einen Frachter. Tags darauf berichteten iranische Medien, dass zwei weitere Tanker vor der Meerenge zum Umkehren gezwungen worden seien.

Die Schiffe traf Irans Angriff vollkommen unvorbereitet. Denn Teheran eröffnete das Feuer auch auf die Frachter, die eine Durchfahrt koordiniert hatten. Der indische Kapitän eines Tankers funkte am Samstag Irans Marine an und wiederholte mehrmals panisch, dass die iranischen Behörden ihm eine Genehmigung erteilt hätten, um die Strasse von Hormuz zu passieren. «Mein Name ist der zweite auf eurer Liste - jetzt schiesst ihr», rief der Kapitän. Die Aufnahme des Anrufs liegt der NZZ vor.

Am Sonntag ist der Verkehr in der Strasse von Hormuz nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Zuvor hatte Iran einen Frachter und einen Tanker beschossen.

Stringer/Reuters

Mit dem Beschuss antwortet Teheran auf die seit vergangenem Montag geltende amerikanische Blockade von iranischen Häfen. Beide Länder erhöhen offenbar den Druck, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. Unter dieser Kanonenbootdiplomatie leidet die ganze Welt: Die Nachwehen des Kriegs dürften die globalen Lieferketten noch monatelang belasten.

Treibstoff für Flugzeuge und Schiffe wird knapp

Derzeit stauen sich rund 400 bis 500 Schiffe im Persischen Golf. Selbst wenn sich Iran und die USA am Dienstag auf die Öffnung der Strasse von Hormuz einigen würden, dürfte es Monate dauern, bis der Tanker-Stau gelöst ist. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass die Rohölpreise weiter massiv ansteigen. Denn die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien exportieren kombiniert rund neun Millionen Barrel pro Tag über Pipelines, die nicht von der Blockade in Hormuz betroffen sind.

Besonders hart dürfte Konsumenten in Europa allerdings der Mangel an Bunkertreibstoff für Frachtschiffe und Flugbenzin treffen. Diese wichtigen Treibstoffe dürften auch knapp bleiben, falls der Transit durch Hormuz problemlos läuft.

Denn diese Ölsorten werden vor allem in Kuwait produziert. Dort ist die Produktion komplett zum Erliegen gekommen, da einerseits keine Pipelines für den Export existieren. Andererseits wurden die zwei grössten Raffinerien des Landes während des Kriegs stark beschädigt und sind immer noch geschlossen.

Die Effekte seien schon jetzt spürbar, sagt Henning Gloystein im Gespräch, er ist Rohstoffexperte der geopolitischen Beratungsfirma Eurasia Group. In Süd- und Südostasien seien bereits Flugverbindungen gestrichen und Schiffsrouten eingestellt worden. «Auch in Italien sehen wir bereits Beeinträchtigungen an Flughäfen. Und es besteht die berechtigte Sorge, dass die Kerosinbestände im Juni oder Juli sehr niedrig sein werden - gerade zur Feriensaison.» Gloystein geht davon aus, dass schon bald einige Flugverbindungen in Europa eingestellt werden.

Sollte der Treibstoff für Frachtschiffe zudem weiterhin knapp bleiben, ist mit Preissteigerungen für alle Güter zu rechnen - die globale Schifffahrt wäre vielleicht sogar noch schlimmer betroffen als während der Covid-Pandemie. «Wir gehen davon aus, dass Preise noch bis 2027 auf einem höheren Niveau bleiben», sagt Henning Gloystein.

Iran hält an seinen Milizen fest

Die Weltwirtschaft dürfte in ein noch tieferes Loch fallen, falls sich Iran und die USA in Pakistan nicht einigen können. Am Samstag hatte der iranische Parlamentssprecher Mohammed Ghalibaf die Hoffnung auf einen Durchbruch gedämpft. Zwar seien Fortschritte erzielt worden, sagte der iranische Chefunterhändler in einer Fernsehansprache. «Aber es bestehen noch viele Differenzen, und einige grundlegende Punkte sind noch offen.»

Irans Parlamentspräsident Mohammed Ghalibaf (rechts) im Gespräch mit Pakistans Armeechef Asim Munir in Teheran. Der mächtige pakistanische General blieb drei Tage in Iran, um den Boden für weitere Verhandlungen mit den USA zu bereiten.

Handout via EPA

Laut Berichten bleiben die wichtigsten Knackpunkte Irans Urananreicherung sowie Teherans Kontrolle über die Strasse von Hormuz. Das iranische Raketenarsenal sowie die Unterstützung des Regimes für islamistische Milizen im gesamten Nahen Osten scheinen nicht mehr auf der Traktandenliste zu stehen.

Iran signalisierte zudem, dass es sein Milizennetzwerk nicht freiwillig aufgeben werde. Am Sonntag traf Ismail Ghani, Chef der Kuds-Einheit der Revolutionswächter, laut arabischen Medienberichten in Bagdad ein. Dort soll der für die Auslandsoperationen Irans zuständige Generalmajor hochrangige irakische Politiker sowie proiranische Milizenführer getroffen haben. Offenbar will das angeschlagene iranische Regime seine aggressive Aussenpolitik auch nach dem Krieg fortsetzen.

Noch ist der Krieg im Nahen Osten nicht beendet - und schon in wenigen Tagen könnten wieder Raketen fliegen. Doch selbst wenn sich die USA und Iran in Islamabad einigen: Die Region scheint nicht auf stabilere Zeiten zuzusteuern.

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