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Im Regierungsrat werden mindestens drei Sitze frei. Für einen davon tritt der FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt an. Unterdessen ist auch klar, was der grüne Baudirektor vorhat. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Wahlen 2027. 19.04.2026, 16.31 UhrAktualisiert Michael Buholzer / Keystone Im April 2027 wählt die Bevölkerung des Kantons Zürich ihren Regierungsrat. Zum jetzigen Zeitpunkt treten drei Bisherige nicht mehr an - unter ihnen die FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh. Ihre Partei hat nun bekanntgegeben, wie sie ins Rennen um die frei werdenden Sitze steigt: mit einer einzigen Kandidatur, nämlich jener von Nationalrat Andri Silberschmidt. «Der Kanton Zürich ist meine Heimat», sagt er am Montag bei der Ankündigung seiner Kandidatur. «Deshalb will ich im Regierungsrat Verantwortung übernehmen.» NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan. Bitte passen Sie die Einstellungen an. Silberschmidt gilt als Shootingstar der FDP. Der 32-Jährige wurde bereits mit 25 Jahren in den Nationalrat gewählt, ist national bekannt und gut darin, Kompromisse zu schmieden. Ihm fehlt aber die Exekutiverfahrung. Mit dem Einerticket gibt die Partei ihren Anspruch auf zwei Sitze vorerst auf. Sie hatte ihren zweiten Sitz 2019 verloren. Der FDP-Präsident Filippo Leutenegger sagt, dass es mittelfristig durchaus das Ziel sei, dass die FDP mit zwei Sitzen im Regierungsrat vertreten sein werde. Allerdings sei es vorerst wichtig, die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat zu halten. «Sobald es zu einer Vakanz ausserhalb der bürgerlichen Parteien kommt, werden wir eine aussichtsreiche Kandidatur präsentieren.» Was Leutenegger dabei nicht erwähnt: Weil Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) abtritt, kommt es bereits bei den nächsten Wahlen zu einer nichtbürgerlichen Vakanz. Darauf angesprochen, verweist Leutenegger darauf, dass vielerorts befürchtet werde, dass die FDP bei den anstehenden Wahlen weiter Wähleranteile verlieren werde. «Man muss realistisch sein. Wir haben uns für den pragmatischen Weg entschieden.» Für die nächsten Wahlen habe die FDP mit Silberschmidt eine «fokussierte, erfolgsorientierte Strategie». Silberschmidt sei für die Partei «Garant» dafür, den Sitz der FDP im Regierungsrat halten zu können. Die anderen bürgerlichen Parteien reagieren überrascht, teils gar verärgert auf den Entscheid der FDP. Sowohl Leutenegger als auch Silberschmidt hatten im Vorfeld betont, dass Gespräche mit anderen Parteien liefen und man die beste Lösung für die bürgerliche Mehrheit suche. Doch etwa die Mitte-Präsidentin Tina Deplazes sagt, dass sie erst kurz vor der Information der Öffentlichkeit erfahren habe, wie sich die Freisinnigen entschieden hätten. Sie hält fest: «Es gab im Vorfeld keine Gespräche zwischen der FDP und der Mitte bezüglich der Nomination.» Auch Domenik Ledergerber, Präsident der Zürcher SVP, zeigt sich erstaunt: «Wir wurden überrascht vom Entscheid der FDP.» Gemeinsame Gespräche aller bürgerlichen Parteien über ein Einerticket der Freisinnigen habe es nicht gegeben. Die FDP habe lediglich einige Tage vor der Bekanntgabe ihren Plan kommuniziert. Der Entscheid, mit nur einem Kandidaten anzutreten, habe ihn «negativ überrascht»: «Ich finde, im Regierungsrat sollten fünf Bürgerliche sitzen. Und jetzt gibt die FDP diesen fünften Sitz kampflos auf.» Ledergerber kündigt deshalb für die Wahlen 2027 an, selber eine Kandidatur für den fünften Sitz aufzustellen: «Wir überlegen uns, drei Kandidaten der SVP ins Rennen zu schicken.» Ob und mit wem dies geschehen wird, ist indes noch offen. Die Mitte hält weiterhin an ihrer Strategie fest, einen Kandidaten aufzustellen. Ob das Silvia Steiner, die bisherige Mitte-Regierungsrätin, sein wird, ist noch unklar. Zum neusten Stand des Wahlkampfs: Der Zürcher Regierungsrat besteht aus sieben Mitgliedern: Natalie Rickli (Gesundheit) und Ernst Stocker (Finanzen) von der SVP, Carmen Walker Späh (Volkswirtschaft) von der FDP, Silvia Steiner (Bildung) von der Mitte, Jacqueline Fehr (Justiz und Inneres) von der SP, Martin Neukom (Baudirektion) von den Grünen und Mario Fehr (Sicherheit), parteilos. Von den sieben Bisherigen treten bis jetzt drei nicht mehr an: Als Erste hat die Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) mitgeteilt, dass sie nicht mehr zur Wahl stehe. Sie wurde 2015 in den Regierungsrat gewählt. Sie sagte, sie habe von Anfang an geplant gehabt, nur drei Legislaturen zu absolvieren. Bei ihrem Rückzug verwies sie ausserdem auf ihr Alter: «Ich fand immer, dass man mit 64 Jahren nochmals etwas Neues machen kann. Mit 68 ist es zu spät.» Auch der Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) stellt sich nicht mehr zur Wahl. Erstmals in den Regierungsrat gewählt wurde er vor 17 Jahren, 2009. Zunächst amtete er als Volkswirtschaftsdirektor, 2015 wechselte er in die Finanzdirektion. Doch nun sieht Stocker die Zeit für den Abgang gekommen: Er ist nicht nur der am längsten amtierende Regierungsrat, er ist auch der älteste: Er wird in wenigen Tagen 71 Jahre alt. Bereits 2023 trat er nur widerwillig nochmals an. Carmen Walker Späh (FDP) ist seit 2015 Volkswirtschaftsdirektorin. Sie hört auf, weil sie nach 12 Jahren im Amt ihre Arbeit als getan betrachtet. Sie ist 68 Jahre alt. «Es ist ein guter Zeitpunkt, meine Dossiers weiterzugeben. Ich will nie, nie, nie Verwalterin werden», sagte sie der NZZ. Die Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) hat angekündigt, dass sie wieder antreten werde. Das ist wenig überraschend: Sie ist mit 49 Jahren noch jung, die kommende Legislatur wäre erst ihre dritte. Ausserdem ist sie in der Bevölkerung beliebt. Sie holte bei den Wahlen 2023 das zweitbeste Resultat. Auch der Baudirektor Martin Neukom (Grüne) wird wieder antreten. Neukom wurde wie Rickli 2019 gewählt, auch für ihn wäre die kommende Legislatur also die dritte. Er ist mit 39 Jahren das jüngste Regierungsmitglied. Zwei Regierungsmitglieder haben sich noch nicht zu ihren Plänen geäussert. Die Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) wird im Wahljahr bereits 69 Jahre alt sein. Sie politisiert seit 12 Jahren im Regierungsrat. Deshalb wird erwartet, dass sie ihren Rückzug ankündigen könnte - sicher ist aber noch nichts. Beim Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) ist die Ausgangslage unklar. Er ist 67-jährig und seit 2011 im Amt. Er wurde als Vertreter der SP gewählt, trat 2019 aber aus der Partei aus. Seither politisiert er parteilos. Das tut seiner Beliebtheit aber keinen Abbruch: Er war 2019 und 2023 jeweils der am besten gewählte Regierungsrat. Neben Andri Silberschmidt von der FDP sind die folgenden Kandidaturen im Gespräch: Bei der SVP, der einzigen Partei mit zwei Sitzen im Regierungsrat, ist noch nicht bestimmt, wer neben Natalie Rickli antreten wird. Möglicherweise, das kündigte der Parteipräsident Ledergerber an, wird die SVP auch mit drei Kandidaturen ins Rennen gehen. Als Nachfolger von Ernst Stocker wird momentan vor allem Nationalrat Martin Hübscher gehandelt. Hübscher ist 57 Jahre alt, Landwirt und seit 2023 für die SVP im nationalen Parlament. Davor war er Kantonsrat. Wer für die SVP antreten wird, entscheidet die SVP im Juli. Die SP ist die zweitstärkste Partei im Kanton und dürfte ihren einen Sitz in der Regierung halten können. Voraussichtlich wird die SP versuchen, einen zweiten Regierungssitz zu erobern. Die Nationalrätin Priska Seiler Graf plant einen neuen Anlauf. Sie war bereits 2023 angetreten, damals aber ohne Erfolg. Neben Seiler Graf will der Winterthurer Stadtrat Nicolas Galladé kandidieren. Er gilt als profilierter Exekutivpolitiker. Definitiv nominieren wird die SP ihre Kandidatinnen und Kandidaten im Juli. Für die Mitte dürften die Wahlen knapp ausgehen. Die Partei hat ihren Sitz in der Regierung immer wieder verloren, das könnte auch diesmal so sein - vor allem, falls Regierungsrätin Silvia Steiner nicht mehr antritt. Um ihre Nachfolge bewerben könnte sich Philipp Kutter. Er ist verfügbar, weil er sein Amt als Stadtpräsident von Wädenswil abgibt. Zudem ist er als Nationalrat landesweit bekannt. Die Grünliberalen gewannen bisher noch nie einen Sitz bei Zürcher Regierungsratswahlen. Doch sie wollen es bei den kommenden Wahlen versuchen: Die Partei hat ihre Co-Präsidentin Nora Ernst als Regierungskandidatin nominiert. Die 39-Jährige sitzt seit 2022 im Winterthurer Stadtparlament, die Umweltwissenschafterin leitet die Partei seit 2024. Ernst ist noch relativ unbekannt. Die bekannteren Gesichter der Zürcher GLP - wie etwa die Ständerätin Tiana Moser oder die Nationalrätin Corina Gredig - zeigten an einer Kandidatur kein Interesse. Eine Kandidatur lanciert hat die Evangelische Volkspartei (EVP). Sie will mit ihrem bekanntesten Mitglied, dem Kantonsrat Donato Scognamiglio, einen Anlauf wagen. Er ist Unternehmer und Immobilienexperte. Es ist davon auszugehen, dass wie in früheren Jahren auch kleinere Gruppierungen und diverse Einzelpersonen eine Kandidatur ankündigen werden. Ihre Wahlchancen sind aber sehr klein.Soll den Regierungsratssitz der FDP verteidigen: Nationalrat Andri Silberschmidt mit Filippo Leutenegger (links).
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Kein Versuch, den zweiten FDP-Sitz zurückzuholen
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