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Stand: 22.09.2026 • 08:38 Uhr
So richtig überrascht dürfte niemand gewesen sein in der Bundesliga, als das Bundeskartellamt das Verfahren um die 50+1-Regel im deutschen Fußball im August beendete. Die Regel sei rechtens, erklärten die Wettbewerbshüter, allerdings müsse sie für alle gelten - ohne Ausnahme. So steht der deutsche Fußball am Ende des kartellrechtichen Verfahrens wieder ganz am Anfang und mal wieder vor der Frage, wie es denn jetzt weitergehen soll.
"Man muss klar sagen, alles, was gegen diese sogenannten Vereine vorgetragen wurde, war seit jeher richtig", sagt Thomas Kessen vom Fanbündnis "Unsere Kurve", das seit Jahren die konsequente Umsetzung von 50+1 fordert. Mit den "sogenannten Vereinen" meint Kessen Bayer 04 Leverkusen und den VfL Wolfsburg, deren Eigentümer Bayer und VW unter anderen Voraussetzungen agieren können als der Rest der mitgliedergeführten Bundesligaklubs, weil ihnen die Liga eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat. Aber auch das Konstrukt Rasenballsport Leipzig fällt darunter, weil es nur eingeschränkten Zugang zu einer Mitgliedschaft ermöglicht. Schon 2014, als RB die Lizenz für die 2. Bundesliga beantragte, war dies ein Konfliktpunkt gewesen. Die damals noch unter dem Namen DFL firmierende Bundesliga machte deutlich, dass RB wegen seiner Vereinsstruktur Probleme bekommen könnte. Kritik gab es insbesondere an den wenigen stimmberechtigten Mitgliedern des Klubs, die zudem noch dem Eigentümer nahestehen. Nach viel Hin und Her und der Androhung von rechtlichen Schritten wurden eine sogenannte Fördermitgliedschaft eingeführt. Stichwort 50+1
Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannovers langjähriger Clubpräsident Martin Kind macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.
Allerdings besitzen diese Fördermitglieder kein Stimmrecht und können so keinen Einfluss nehmen. Auch diesen Mangel an Partizipation hat das Kartellamt in seiner Entscheidung moniert. Bei den Förderklubs und RB Leipzig werde deshalb "der Wettbewerb durch diese Ausnahmen eingeschränkt und nicht, indem man noch mehr Investoren zulässt", erklärt Kessen im Gespräch mit der Sportschau. Die Bundesliga (vormals DFL) ist nun gefordert, die Vorgaben des Kartellamts umzusetzen. Auf eine Anfrage der Sportschau, wie und wann das geschehen soll, gibt es keine konkrete Antwort. In einem öffentlichen Statement unmittelbar nach der Entscheidung des Kartellamts am 12. August äußerte man sich vage und sprach von einer "solidarischen Lösung", die mit den Empfehlungen der Behörde einhergehen soll. Diese Empfehlungen des Bundeskartellamts, das die Regel die vergangenen acht Jahren überprüft hat, betreffen vor allem die Aspekte Mitgliederpartizipation, Weisungsrecht des e.V gegenüber der ausgegliederten Profi-Gesellschaft und die Förderausnahmen bei Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg. Lösungen für all das hatte die Bundesliga allerdings schon mal in Aussicht gestellt, ohne dabei jedoch konkret zu werden. Denn das Kartellamt hatte sich schon nach Abschluss nach seiner letzten, vorläufigen Prüfung 2025 dahingehend geäußert, dass 50+1 konsequent angewendet werden müsse. Nur geschehen ist seitdem nichts, obwohl etwa Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und Vizepräsident der Bundesliga (vormals DFL), damals versprach, man werde die Vorgaben der Behörde umsetzen. Klubs wie Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg dürften keinen Wettbewerbsvorteil behalten, "der ihnen nicht zusteht". Die Forderung nach der einheitlichen Anwendung der Regel ist also weder neu für den deutschen Profi-Fußball, noch sind bisher Antworten darauf gefunden worden. Thomas Kessen vom Fanbündnis "Unsere Kurve" fürchtet, dass die Gegner der 50+1-Regel die Situation nutzen könnten, je länger die Suche nach Lösungen dauert: "Niemand kann erwarten, dass RB Leipzig übermorgen ein mitgliedergeführter Verein wird. Aber da liegt auch die Gefahr drin. Denn wenn am Ende fünf oder zehn Jahre ins Land gehen, ohne dass konkret etwas getan wurde, dann können die Gegner von 50+1 argumentieren, dass diese Regel nicht durchgesetzt wird!" Dass man an der 50+1-Regel unbedingt festhalten will, hat man im deutschen Fußball immer wieder beteuert. Bundesliga-Präsident Hans-Joachim Watzke etwa erklärte, so lange er etwas zu sagen habe, werde die 50+1 bleiben. In Ihrem Statement wies die Bundesliga jetzt darauf hin, dass sich das Präsidium dazu schon in den vergangenen Monaten mit möglichen Szenarien befasst habe. "Konkrete Ableitungen und Handlungsoptionen werden anschließend mit allen 36 Klubs thematisiert", so die Bundesliga weiter. Deshalb rückt jetzt die kommende Bundesliga-Mitgliederversammlung Ende des Jahres in den Fokus, bei der die Klubs erstmals nach dem Kartellamtsentscheid zusammenkommen werden. Für alle anderen Bundesligisten, die 50+1 laut Kartellamt korrekt umsetzen, eine Gelegenheit, die Regel nach der Einschätzung der Behörde rechtssicher zu gestalten, meint Thomas Kessen: "Dort müssen erste Weichen gestellt werden und es ist an der Bundesliga, 50+1 umzusetzen und eben diese Ausnahmen abzuschaffen." Die Bundesliga muss dabei nicht nur den Hinweisen des Kartellamts gerecht werden, sondern die Regel so gestalten, dass die Förderklubs nicht dagegen klagen werden. Mit Kompromisslösungen konnte das bis jetzt verhindert werden, das ist nach den klaren Hinweisen der Behörde nun nicht mehr möglich.Bundesliga strebt "solidarische Lösung" an
"Unsere Kurve" fürchtet Verzögerung
Bundesliga-Mitgliederversammlung Ende des Jahres